„Integratives Wohnen“ an der Kernerstraße

Mit einem neuen Konzept zu „Integrativem Wohnen“ soll in der Stadt Schwaigern Wohnraum für einheimische und geflüchtete Menschen geschaffen werden.

Großer Bedarf an Wohnraum
Der Bedarf an Wohnraum und gerade auch an günstigem Wohnraum ist äußerst groß. Die Kommune hat die Verpflichtung zur Daseinsvorsorge für alle Einwohnerinnen und Einwohner. Wohnen ist ein zentrales Bedürfnis für alle Menschen. Wohnraum ist wichtig - natürlich zum einen für die Menschen, die ein Dach über dem Kopf benötigen, aber zum anderen auch für die Stadt Schwaigern als Standort für Firmen, Betriebe und Dienstleistungsangebote. Im Zuge der Anschlussunterbringung ist die Stadt darüber hinaus verpflichtet in der Kommune Wohnraum für geflüchtete Menschen zur Verfügung zu stellen.
Die Stadt hatte im Jahr 2018 das Angebot erhalten, das Grundstück Flurstück-Nummer 8711/0 in der Kernerstraße zu erwerben, das bis zu diesem Zeitpunkt in Privatbesitz war. Daher ist es ein Glücksfall, dass sich so die Möglichkeit ergab, durch Innenentwicklung Wohnraum zu schaffen. Dies ist u.a. eines der wichtigen Leitziele in unserem Stadtentwicklungskonzept. Darüber hinaus ist im Landeswohnraumförderungsgesetz ausgeführt, dass Gemeinden geeignete Grundstücke als Bauland für den Wohnungsbau überlassen und dabei die Anforderungen des kosten- und flächensparenden Bauens berücksichtigen sollen.
Das Grundstück in der Kernerstraße eröffnet die Möglichkeit, den Verpflichtungen und der Verantwortung nachzukommen, indem es mit einer Teilfläche zur Schaffung von vergünstigtem Wohnraum zu Verfügung gestellt wird. In der Gemeinderatssitzung vom 24. Mai 2019 wurde beschlossen, das Grundstück genau für diesen Zweck auszuschreiben. Aufgrund der Größe des Grundstückes ergibt sich die Chance, konzeptionell ein viel umfassenderes Konzept zu verwirklichen, als dies verteilt auf viele kleine Standorte möglich wäre.
Es ist nun vorgesehen, auf der östlichen Teilfläche des Grundstückes 3 Gebäude (sogenannte „Hoffnungshäuser“) mit je maximal 8 Wohnungen zu errichten. Dabei sind 22 Wohnungen mit variablen Zuschnitten, eine Wohnung für die Standortleitung sowie eine Wohnung als Gemeinschaftsräumlichkeit vorgesehen. Die Anordnung der Gebäude, die genaue Anzahl der Wohnungen, die Zufahrt sowie die Anzahl der Stellplätze sind zum jetzigen Zeitpunkt noch offen und werden in der Detailplanung geklärt. Ebenso ist durch die geplante 3-geschossige Bauweise mit Flachdach vorgesehen, die Höhe der unmittelbar angrenzenden Bebauung aufzunehmen.
 
Umfassende Konzeption zur Integrationsarbeit
Der Gemeinderat hat sich im Vorfeld sehr intensiv damit befasst, wie verbunden mit der Wohnraumschaffung auch ein soziales Miteinander gestaltet und gefördert werden kann. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, wurden sehr ausführliche Kriterien formuliert.
Diese Kriterien sehen vor: Schaffung von 70 % gefördertem Wohnraum - dies bedeutet, dass die Wohnungen an Menschen mit einem Wohnberechtigungsschein vermietet werden. Hier ist jedoch unbedingt beachtenswert, dass dies durchaus auf einen nennenswerten Teil unserer Bürgerinnen und Bürger zutreffen kann. Die Einkommensgrenze liegt z.B. bei einer vierköpfigen Familie bei 67.300 € brutto. Werden die Wohnungen sozial gefördert, wird der Mietpreis 33 % unter der ortsüblichen Miete liegen – dies ist eine festgeschriebene Vorgabe.
Es ist eine Vermietung an 50 % Einheimische und 50 % Geflüchtete vorgesehen sowie eine Konzeption zur Integrationsarbeit und eine Betreuung vor Ort. Es handelt sich um Wohnungen in unterschiedlichen Größen und es ist vorrangig an eine Vermietung an Familien gedacht. Eine Doppelbelegung von Zimmern, wie dies z.B. in einer Gemeinschaftsunterkunft oder in Form einer Obdachlosenunterbringung der Fall sein kann, ist nicht vorgesehen. Bei 23 Wohnungen kann so Wohnraum für ca. 100 Personen (je nach Größe der Familie) geschaffen werden. Eine eigens angestellte Standortleitung als Vollzeitstelle nur für diese Wohnanlage ist möglich, weil dies durch die Hoffnungsträger Stiftung finanziert wird.
Die Kriterien erfordern auch eine Konzeption zur Zusammenarbeit mit den Vereinen, Institutionen, Kirchen in Schwaigern und natürlich auch das Zusammenwirken mit den Nachbarn. Kirchen, Sozialarbeiter des Landkreises und der Arbeitskreis „Flüchtlinge willkommen heißen“ befürworten das Konzept der Hoffnungsträger Stiftung ausdrücklich und sind zur Zusammenarbeit bereit.

Ausschreibung und Vergabe
In der öffentlichen Sitzung des Gemeinderates am 24. Mai 2019 wurden diese Kriterien diskutiert und beschlossen. Es erfolgte daraufhin die Ausschreibung, mit der ein genau beschriebenes Konzept gefordert wurde. Die Vorlage sowie die Ausschreibungskriterien sind im Bürgerinformationsportal zur Sitzung auf der städtischen Homepage eingestellt.
In der Heilbronner Stimme wurde darüber am 6. Juni 2019 unter der Überschrift „Zusammenhalt durch Nachbarschaft“ ausführlich berichtet.
Ausdrücklich wurde mit dieser Ausschreibung ein Betreiber gesucht und nicht nur ein Investor. Auf die Ausschreibung hat sich die Hoffnungsträger Stiftung beworben und ein sehr ausführliches Konzept eingereicht. Dieses Konzept entspricht den Kriterien zur Ausschreibung und stellt insbesondere eine Standortleitung (wohnhaft im Hoffnungshaus sowie finanziert durch die Stiftung) sicher, die für die gemeinschaftlichen Angebote und Betreuung vor Ort verantwortlich ist.
Die  Hoffnungsträger Stiftung wurde vor wenigen Monaten für ihre Integrationsarbeit in den Hoffnungshäusern mit dem Integrationspreis des Landes Baden-Württemberg in der Kategorie Zivilgesellschaft ausgezeichnet. Diese Auszeichnung wurde verliehen für das Engagement, Geflüchtete in ein selbstbestimmtes und selbständiges Leben zu begleiten und sie dabei in ihrem Integrationsprozess individuell zu unterstützen.
Eine gemeinsame Vereinbarung wird die Grundlage zur Umsetzung des Konzeptes sein und in ihr wird auch die Zusammenarbeit zwischen der Hoffnungsträger Stiftung und der Stadt sowie die Zuständigkeit und Verantwortlichkeit der Stiftung für ihre Angebote geregelt sein. Mitgestalten – miteinbringen – dabei sein – mittendrin sein – profitieren im Gemeinwesen – ein gelingendes Miteinander sind dabei die wichtigen Ziele.
Die Ausführung der Gebäude wird allen rechtlichen Vorgaben entsprechen – daher z.B. auch entsprechend der LBO die Barrierefreiheit in einem Geschoss. Die Bauweise erhielt mehrere Architekturpreise, wie z.B. den „German Design Award special 2019“ und den „Holzbaupreis 2018 Baden-Württemberg – Anerkennung“.
Die Stiftung präsentierte das Konzept in der öffentlichen Sitzung am 26. Juli 2019. Auf der Homepage unter dem „Bürgerinformationssystem des Gemeinderates“ sind unter der Sitzung zum 26. Juli 2019 die Vorlage sowie die Präsentationen der Stiftung eingestellt.
 
Informationsveranstaltung in der Frizhalle am 16. September 2019
Am 16. September 2019 fand in der Frizhalle eine Informationsveranstaltung für die Einwohnerschaft statt, in der das geplante Konzept vorgestellt und Fragen aus der Bevölkerung beantwortet wurden.

In der Sitzung am  27. September 2019 wurde folgender Beschluss gefasst:
„Eine noch zu vermessende östliche Teilfläche (vorauss. rd. 2.900 m²) des Grundstückes Flst. Nr. 8711/0 wird zur Schaffung von „Integrativem Wohnen“ durch Neubau von drei Hoffnungshäusern (mit jeweils bis zu 8 Wohnungen) auf der Grundlage der Bewerbung vom 13. und 14.06.2019 und der Vorstellung in der öffentlichen Gemeinderatssitzung vom 26.07.2019 an die Stiftung Hoffnungsträger aus 71229 Leonberg vergeben. Die Verwaltung wird ermächtigt, den notariellen Kaufvertrag und den Kooperationsvertrag (auf Grundlage der Kriterien zur o. g. Bewerbung, insbesondere: Mietwohnungsbau für 50 % einheimische und 50 % geflüchtete Bewohner, Bereitstellung von insgesamt ca. 70 % gefördertem Wohnraum nach dem Landeswohn-raumförderungsgesetz mit einer Bindungslaufzeit von 30 Jahren, Einrichtung einer Standortleitung, welche in einem der Hoffnungshäuser wohnt) mit der Stiftung Hoffnungsträger abzuschließen und ggf. das erforderliche Bauleitplanverfahren einzuleiten. Die finanziellen Auswirkungen werden in der Finanzplanung des Haushaltsplanes 2020 entsprechend berücksichtigt.“

Abstimmungsergebnis: 19 Ja-Stimmen, 1 Gegenstimme, 1 Enthaltung
Für weitere Fragen stehen Bürgermeisterin Sabine Rotermund sowie die Stadträtinnen und Stadträte zur Verfügung. Sprechen Sie uns gerne an.

Veröffentlicht am Donnerstag, 28. November 2019

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